Bericht der Marbacher Zeitung vom 29.10.2005
Boris Hosseinpour ist nach schwerer Krankheit gestorben
Trauer über den Tod des Rektors an der Tobias-Mayer-Schule – Er hat seinen Schülern und sich selbst viel zugetraut
Marbach. Er hat gekämpft, gehofft und doch verloren: Boris Hosseinpour ist am Donnerstag im Alter von 37 Jahren an Krebs gestorben. Der Rektor der Tobias-Mayer-Schule hinterlässt eine große Lücke – an der Schule, in der Stadt und bei allen, die ihn gekannt haben.
Von Karin Götz
Betroffenheit und Hilflosigkeit gestern Vormittag an der Tobias-Mayer-Schule. Gleich am Morgen überbringt Franz Tutsch, Mitglied des Schulleitungsteams, den Kollegen die schreckliche Nachricht. Wenig später ist vor dem Lehrerzimmer ein Trauertisch aufgebaut. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem in würdiger Form von ihm Abschied genommen werden kann.” In jeder Pause drängen sich Schüler vor das Bildnis des Verstorbenen zu einem letzten Gruß.
Auch wenn der 37-Jährige erst vor vier Jahren nach Marbach kam: Er hat die Schule in dieser kurzen Zeit wie kaum ein anderer geprägt. Auf Innovation gesetzt, ohne dabei den Menschen aus dem Blick zu verlieren. Er wolle die Wahrnehmung der Hauptschule positiv verändern und den Schülern das Gefühl geben, dass sie ernst genommen werden, hatte Hosseinpour an seinem ersten Arbeitstag im Juli 2001 betont. Ein Ziel, das der Pädagoge ohne Zweifel erreicht hat.

An einem Trauertisch haben gestern Schüler und Lehrerkollegen an der Tobias-Mayer-Schule von Boris Hosseinpour Abschied genommen.
Foto: Werner Kuhnle
„Er hat die Schule zu einer der profiliertesten im Landkreis entwickelt”, sagt Karl Wisskirchen, Leiter des Staatlichen Schulamtes in Ludwigsburg. Mit großem Engagement hat Hosseinpour das Kurssystem in Marbach eingeführt. Im September 2003 wurde die Tobias-Mayer-Schule Versuchsschule für die neuen Bildungspläne. Dabei habe der 37-Jährige über ausgeprägte kommunikative und soziale Fähigkeiten verfügt, so Wisskirchen. Sein beruflicher Weg, ist er sich sicher, wäre in Marbach nicht zu Ende gewesen. „Er hätte noch viele weitere Optionen gehabt.”
Trauer über die Nachricht von Boris Hosseinpour auch im Marbacher Rathaus. Vor drei Monaten hat Bürgermeister Herbert Pötzsch den von der Krankheit gezeichneten Schulleiter zum letzten Mal beim Gang über den Wochenmarkt gesehen. „Auch wenn es ihm schlecht ging, hatte er immer noch Hoffnung, bald wieder zurück an die Schule zu können”, so Pötzsch. Mit seiner mitreißenden Art habe er die Menschen für seine Ideen und Konzepte begeistert. „Wir hier in Marbach hätten es kaum besser treffen können. Im Betreuungskonzept für die Ganztagesbetreuung im Zusammenhang mit der Mensa steckt viel von ihm mit drin.” Boris Hosseinpour hinterlässt Spuren - an der Tobias-Mayer-Schule, in der Stadt und bei all den Menschen, die ihn gekannt haben.
Boris Hosseinpour wird nächsten Freitag, 4. November, um 10 Uhr, in der St. Ägidius-Kirche in Tübingen-Hirschau beigesetzt.